30. Apr, 2022

Dorfmaibaum auf traditionelle Weise gestellt

Von |2022-05-04T12:24:52+02:0030. April 2022|2022, Maibaum|

Beim Stellen des Maibaums per Hand scheiden sich nicht zuletzt nach dem tragischen Unfall in Nierendorf aus dem Jahr 2018 die Geister. Mit Bengen, Esch und Lantershofen sind nur noch drei Orte in der Grafschaft verblieben, die sich unter den von der Gemeinde festgelegten Regularien dem Erhalt dieser Tradition in ihrer Reinform verschrieben haben.

Durch einen extra angefertigten Baumständer und statisch geprüften Micken, solle das Risiko beim Stellen minimiert werden – so zumindest der Gedanke bei den Entscheidern. Ob diese Personen jemals einen Baum mit Muskelkraft gestellt haben, lässt sich in Frage stellen. Der Baum kann nun zwar nicht mehr seitwärts fallen, einen eingebauten Rückfallschutz, der die Gefahr des Herunterfallens per se vermeiden würde, gibt es jedoch nicht. Und so war Anspannung bei den letzten Zentimeter des Stellens enorm groß. Das Risiko, dass der Baum zurückschlägt und die Micken diesen nicht aufhalten können, war zumindest in der Theorie gegeben. In der Vergangenheit konnte dies mit einem Metallgitter ausgeschlossen werden, das in die ehemals vorhandene Grube eingelassen wurde. Ein weiteres Rätsel gaben die neuen Micken auf, die nicht mehr konisch geformt sind, sondern eine durchgängige Dicke haben. War in der Vergangenheit ein nach unten Rutschen des Knotens an der Micke aufgrund der Verbreiterung nach unten ausgeschlossen, war man sich hier im Vorfeld darüber nicht sicher. Bei den alten, teilweise über Jahrzehnte erfolgreich im Einsatz befindlichen Micken wurden bei jedem Stellen Eisengriffe eingeschlagen, um mehr Kontrolle bei deren Handhabung zu haben. Bei den neuen Exemplaren wurde dies aufgrund statischer Bedenken untersagt. Mit extra angeschafften, gummierten Handschuhen konnte man diesem Handicap jedoch zumindest einigermaßen entgegentreten. Aufgrund der Statik des neuen Ständers war die Größe und damit automatisch auch das Gewicht des Baumes jedoch ohnehin derart begrenzt, dass man anstatt der sonst notwendigen drei Micken mit zwei Micken auskam.

Die Junggesellen aus Lantershofen sind froh, dass die Tradition des Maibaumstellens wieder erlaubt ist und nicht durch das mäßig durchdachte Handeln von politischer Seite vollständig verhindert wurde. Wir wünschen insbesondere unseren Freunden aus der Kreisstadt, dass sie möglichst lange von derartigen Entscheidungen verschont bleiben und ohne solche Verschlimmbesserungen ihre Maibäume stellen dürfen. Ein Dank gilt dem Förster und dem zuständigen Mitarbeiter des Bauhofs, die den Vereinen in den letzten Wochen konstruktiv zur Seite standen. Ob es im nächsten Jahr die versprochenen, extra geprüften Schellen zur Befestigung der Spitze oder überhaupt noch Maibäume aus Gemeindebestand gibt, bleibt abzuwarten. Ebenfalls wird mit Spannung erwarten, wie das Herunterlassen des Maibaums im Juni vonstattengehen wird. Das altbewährte Vorgehen ist nicht mehr möglich und eine Vorgabe der Gemeinde bisher noch nicht bekannt.

Ein voller Erfolg war die erstmalig durchgeführte Bewirtung während des Stellens, die von der Dorfbevölkerung dankend angenommen wurde. Den Junggesellen ist es ein Anliegen das Dorf an der Tradition teilnehmen zu lassen und so soll es dieses Veranstaltungsformat auch in Zukunft geben, wobei ein wenig Unterstützung anderer Ortsvereine nicht von Nachteil wäre.

Ein abschließender Dank gilt allen Gästen, welche die Junggesellen moralisch unterstützt haben sowie den helfenden Händen einiger Bürger und Brötchesmädchen, die erheblich zum Gelingen der Veranstaltung und des Baumstellens beigetragen haben.

26. Apr, 2022

Der Mai ist gekommen

Von |2022-04-27T16:22:31+02:0026. April 2022|2022, Maibaum|

Nach einigen Jahren Pause wird in Lantershofen der Maibaum wieder von Hand gestellt. Die Junggesellen-Schützen laden daher ab 12 Uhr an die Lambertuskirche ein. Für Speis und Trank ist gesorgt. Um 19 Uhr spielen Musikfreunde und Tambourcorps am frisch gestellten Maibaum auf und heißen den Mai willkommen. Über zahlreiche Zuhörer und Zuhörerinnen würden sich die beiden Formationen sehr freuen.

Im Anschluss daran laden Bürgervereinigung, Trägerverein und Kulturlant gemeinsam zum Tanz in den Mai bei entsprechender musikalischer Untermalung in den Winzerverein ein. Die Junggesellen werden zum selben Zeitpunkt im Keller des Winzervereins ihre Mitgliederversammlung abhalten. Wer in der Maincht seiner Liebsten einen Baum im Dorf stellen möchte, muss dieses vorher anmelden und die entsprechende Gebühr entrichten.

10. Apr, 2019

Lantershofener Junggesellen votieren gegen Maibaumstellen

Von |2022-02-07T01:15:31+01:0010. April 2019|2019, Maibaum, Vereinsleben|

Im Februar diesen Jahres gab der Gemeinderat bekannt, dass man sich nach dem tragischen Unglück beim letztjährigen Maibaumstellen in Nierendorf nun mehr um die Sicherheit bei derartigen Traditionsveranstaltungen kümmern werde. Um dies zu realisieren wurde im Rat ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen, welches ab diesem Jahr für die vierzehn, sich auf Gemeindegrund befindlichen Maibaumstandorte zum Tragen kommt. Ein Sonderfall ist Lantershofen, da sich der Maibaumstandort hier auf Kirchengelände befindet. Der Pfarrverwaltungsrat der Kirchengemeinde entschied für die Maibaumgrube in Lantershofen, dass man sich den Regularien der Gemeinde Grafschaft anschließe. Ende März erfolgte ein offizielles Anschreiben an die Vereine, in denen die Verwaltung die diesjährigen Auflagen konkretisierte.

Das Schreiben der Gemeindeverwaltung und die vorangegangenen Entwicklungen waren Thema bei einem Treffen der Lantershofener Junggesellen-Schützen. Der Zusammenkunft war bereits eine Abstimmung vorangegangen, in der die Mehrheit der Junggesellen gegen ein Maibaumstellen in diesem Jahr votierte. Gründe hierfür waren zum einen die umfangreichen Auflagen, die nach den Meinungen der Anwesenden nicht in Gänze umsetzbar seien und einen massiven Einschnitt in die Tradition darstellen. Zum anderen wurde die Entscheidungsfindung ohne vorangegangen Dialog mit den betroffenen Vereinen kritisiert.

Der Vorsitzende der Junggesellen-Schützen Johannes Schütz stellte klar, dass man das grundsätzliche Bestreben der Gemeinde nach mehr Sicherheit begrüße, allem voran die Überprüfung der Maibaumstandorte durch ein Ingenieurbüro. Einig war man sich auch darüber, dass das Stellen des Maibaums grundsätzlich nicht ungefährlich sei und die allgemeine Sicherheit höchste Priorität habe. Diese wurde mit einem strikten Alkoholverbot und anderen Maßnahmen in den letzten Jahren in Lantershofen bereits stets verbessert. Zudem wurde deutlich, dass die Entscheidung gegen das Stellen des Dorfmaibaums keine Grundsatzentscheidung für die nächsten Jahre sei. Vielmehr wolle man nochmals mit der Gemeinde in den Dialog treten, um dann 2020 erneut zu entscheiden, so Schütz.

Bilder einer vergangenen Tradition? Die Lantershofener Junggesellen beim Maibaumstellen mit Micken und Muskelkraft 2018. Foto: Robin Grießel

Bild einer vergangenen Tradition? Die Lantershofener Junggesellen beim Maibaumstellen 2017 mit Micken und Muskelkraft. Foto: Robin Grießel

25. Apr, 2009

Junggesellen stellen Maibaum

Von |2022-02-07T01:15:31+01:0025. April 2009|2009, Bericht, Maibaum, Vereinsleben|

Der Frühling hält wieder Einzug und so konnte man Ende April auch so manche Junggesellen durch Feld und Flur huschen sehen, die im Hinblick auf die anstehende Mainacht und das einige Tage zuvor stattfindende Maibaumstellen wieder sichtlich aktiv wurden und den Anschein machten als seien sie aus einem langen Winterschlaf erwacht.

Man traf sich am Freitag den 24. April spätnachmittags in alter Tradition an der Kirche, um gemeinsam den Lantershofener Maibaum aus dem angrenzenden Bölinger Wald zu holen. So machte man sich mit zwei Traktoren und zahlreichen Privat-PKWS auf in Richtung Wald. Dort ist seit dem vergangenem Jahr den Junggesellen die Arbeit enorm erleichtert worden, da die Gemeinde aus Sicherheitsgründen die markierten Maibäume für die Dörfer der Grafschaft bereits im voraus fällen lässt und so seitens der Junggesellen nur noch die Verladung und der Abtransport ihres Stammes ins Heimatdorf durchgeführt wird. So stand zwar weniger Arbeit an, aber vielen Junggesellen, die in den vergangenen Jahren noch selber den Baum fällten, stand auch ein wenig Wehmut ins Gesicht geschrieben, da diese Arbeit natürlich auch immer mit viel Freude und Spaß verbunden war.

Der lange Stamm liegt zum Abtransport bereit. Foto: JSG Lantershofen

Der lange Stamm liegt zum Abtransport bereit. Foto: JSG Lantershofen

Zum Transport an den Dorfrand wurde der Stamm auf den Nachläufer geladen. Foto: JSG Lantershofen

Zum Transport an den Dorfrand wurde der Stamm auf den Nachläufer geladen. Foto: JSG Lantershofen

Viel Muskelkraft ist von Nöten um den wuchtigen Baum nach Oben zu drücken. Foto: JSG Lantershofen

Viel Muskelkraft ist von Nöten um den wuchtigen Baum nach Oben zu drücken. Foto: JSG Lantershofen

Nachdem man nun mit der Hilfe von zahlreichen fleißigen Händen, den Baum auf den „Nachläufer“ gehievt und festgezurrt hatte, fuhr man geschlossen zurück ins Dorf um den Baum am Ortseingang zwischenzulagern.

Der eigentliche Transport in den Ortskern, wo der Maibaum schließlich am „Frumech“ aufgestellt wird, wurde am darauffolgenden Tag in den Morgenstunden in Angriff genommen. Da auch an diesem Tag wieder sehr viele Junggesellen zur Arbeit angetreten waren, teilte man sich in zwei Gruppen auf. Der erste Trupp machte sich bei bestem Wetter in den Wald auf, um dort die noch fehlende und auch in diesem Jahr wieder von Otto Krämer bereitgestellte Baumspitze zu schlagen. Die zweite Gruppe manövrierte derweil in Zentimeterarbeit den Baumstamm durch die engen Gassen des Dorfes um ihn schließlich unbeschadet an der Kirche abladen zu können. In den Mittagsstunden kamen zur Freude der Junggesellen, die Brötchesmädche als Verstärkung hinzu , denn seit dem vergangenen Jahr schmücken diese die Krone des Maibaumes und halten sich beim anschließenden Anfeuern der Junggesellen beim Baumstellen ebenfalls nicht zurück.

Foto: JSG Lantershofen

Foto: JSG Lantershofen

Foto: JSG Lantershofen

Foto: JSG Lantershofen

Foto: JSG Lantershofen

Foto: JSG Lantershofen

Damit der knapp 25 Meter lange Baum überhaupt gestellt werden kann, sind die so genannten Micken von Nöten. Diese geschälten Stämme in drei unterschiedlichen Längen werden von ihrer Lagerstätte noch einzeln zur Kirche transportiert. Dort werden dann unter fachkundiger Anleitung je zwei gleichlange Micken knapp unter ihrer Spitze zusammengebunden. Die Kunst des Mickenbindens ist enorm wichtig für das reibungslose Aufstellen des Baumes, ist aber leider nicht vielen Junggesellen bekannt.

Gegen 14 Uhr versammelten sich dann immer mehr Schaulustige, vor allem Bürger und Brötchesmädche, an der Kirche und nach einer stärkenden Mittagspause hieß es dann, unter dem Kommando von Hauptmann Andreas Althammer, ran an die Micken und „Hau Ruck!“. Nach und nach wurden die Micken angesetzt und der Baum gen Himmel gedrückt. Natürlich kamen immer wieder Tipps von den Zuschauern, welche größtenteils selbst schon Erfahrung mit dem Maibaumstellen per Hand gemacht hatten. Seit einigen Jahren wird der Lantershofener Maibaum wieder wie früher üblich mit reiner Muskelkraft, ohne die Inanspruchnahme technischer Hilfsmittel gestellt.

Bald ist es geschafft und der Baum kann im Loch gesichert werden. Foto: JSG Lantershofen

Bald ist es geschafft und der Baum kann im Loch gesichert werden. Foto: JSG Lantershofen

Aufmerksame Blicke zur Spitze sorgen für ein sicheres Stellen des Baumes. Foto: JSG Lantershofen

Aufmerksame Blicke zur Spitze sorgen für ein sicheres Stellen des Baumes. Foto: JSG Lantershofen

Der Blick vom Hannefeld in Richtung gestelltem Maibaum. Foto: JSG Lantershofen

Der Blick vom Hannefeld in Richtung gestelltem Maibaum. Foto: JSG Lantershofen

Als es dann jedoch nur noch ums Geraderücken des Baumes ging, waren wohl noch nicht alle Reserven der Junggesellen aufgebraucht und der Baum wurde zu weit gedrückt. Also hieß es erneut ran an die Micken und es musste wieder in die andere Richtung gedrückt werden, bis der Baum nach cirka 2 Stunden gerade stand. Eine Abordnung des Vorstandes der Bügervereinigung stärkte nach getaner Arbeit die Junggesellen mit Bier und Fleischwurstbrötchen.

Der Mai kann nun auch in Lantershofen kommen.

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